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Heu im Stecknadelhaufen

 

Heu im Stecknadelhaufen, 2014-2015, Mischtechnik, Fläche von zirka 40 x 40 cm

Die Redewendung „die Nadel im Heuhaufen suchen“ ist weit verbreitet und in verschiedensten Sprachen übersetzt. Sie bedeutet, dass die Suche nach etwas Unauffälligem in einem verhältnismäßig Großen sehr schwer zu finden ist.

In manchen Regionen der Erde scheint diese Hoffnung kaum zu existieren. Diesige Gesellschaften sind in uralte Traditionen verwachsen, dass eine Änderung schwer vorstellbar ist. Die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) ist in einigen Gebieten so stark verbreitet, dass nur wenige Frauen und Mädchen von dieser Tradition verschont bleiben, daher trägt die Installation den Titel der Redewendung in umgekehrter Weise. Heu im Stecknadelhaufen weist auf die intensive Praxis sowie der generell weiten Verbreitung hin.
Die Stecknadelköpfe stehen symbolisch für die winzige vaginale Öffnung, die nach FGM dem Typ III* für Harngang und Menstruation zurück bleibt. Das Heu steht hier auch für die Zerbrechlichkeit der Mädchen und Frauen sowie für die Instabilität ihrer Stellung in den Gesellschaften.

FGM ist ein globales Problem und älter als jede Weltreligion. Sie darf nicht als lokale Angelegenheit gesehen oder bestimmten Religionsgemeinschaften zugeschrieben werden, um sich von der Verantwortung zu entziehen. Ein gemeinsames Wir ist für Veränderung notwendig und muss entstehen – wir Menschen.

* WHO (2014):  http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs241/en/