faded out #1 – 3

faded out #3 – XL
2020, partizipative Installation mit Sound und Liegematte, 400 x 450 cm

„Wir sind unsere Vorstellungen. […] Unsere schiere Existenz besteht aus den Bildern, die wir uns von uns selbst machen […]. Das Schlimmste, was uns zustoßen kann, ist, dass es keine Vorstellungen von uns gibt.“ schrieb der Schriftsteller und Pulitzerpreisträger N. Scott Momaday*

*Sanyal, Mithu M. (2009): Vulva – Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts, Verlag Klaus Wagenbach, S. 12

faded out #2 – Es war einmal eine große Behauptung…
2018, partizipative Installation mit Sound und Liegematte, ca. 200 x 200 cm

«faded out» zeigt einerseits das Fehlen von äußeren Geschlechtsteilen am Beispiel von Plüschspielzeug auf. Denn Genitalien sind immer noch tabuisiert und daher vor unserem Alltag verborgen. Andererseits thematisiert diese Arbeit Geschlechtervielfalt. Trotz der hohe Vielfalt an Geschlechtern erfahren Menschen Ausgrenzung, die vom Konzept-Frau oder -Mann abweichen und werden sowohl im Alltag als auch institutionell diskriminiert. Häufige Diskussionen um das soziale Geschlecht rückt das Thema der körperlichen Vielfalt in den Hintergrund. Die Entwicklung der Offenheit gegenüber der Geschlechterdiversität ist jedoch für das Zusammenleben unabdingbar.

faded out #1
2014-15, Textilien, Holzkiste, Holzstuhl, ca. 200 x 250 cm

8.000

Comments (Kommentare), 2015, Serie 8.000, Digitaldruck auf Papier, 400 x 100 cm,
2012, Serie 8.000, Sound-Installation, 16:37 min., deutsch

Hay in a Needlestack, 2014 – 2015, Serie 8.000, Mischtechnik, ungefähr 100 x 100 cm

That´s all., 2012 – 2015, Serie 8.000, Materialien, zirka 400-500 x 300 cm

Die Installationen weisen auf das globale Problem der weiblichen Genitalverstümmelung hin, die ebenso in Österreich verbreitet ist und praktiziert wird. Die Tratition ist ein Werkzeug zur Machterhaltung in patriarchalen Gesellschaften und zur Unterdrückung von Mädchen und Frauen. In Österreich sind rund 8.000 Frauen von der Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/ FGM) betroffen.(1)  8.000 Frauen kann 8.000 potenzielle Mütter bedeuten, deren Tradition fordert ihre Töchter verstümmeln zu lassen. In einem Land wie Österreich, wo FGM explizit verboten ist (2), ist es möglich, eine Ablehnung der weiblichen Genitalverstümmelung bei den betroffenen Menschen zu erreichen. Tradition, Religion, Schönheitsideal, Gesundheit & Hygiene werden als häufige Argumente genannt – obwohl FGM von keiner Religion vorgeschrieben wird und mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitsschädigende Auswirkungen auf den Körper haben können.

Gesellschaften, die FGM nicht zur Tradtion haben, verurteilen diese. Jedoch stehen zeitgleich ähnliche chirurgische Eingriffe an der Tagesordnung. Bespielsweise werden in westlichen Ländern Zwangsoperationen an intergeschlechtlichen Menschen (zumeist Babys und Kindern) durchgeführt, welche ebenso als Genitalverstümmelung einzustufen sind. Intergeschlechtliche Menschen, Mädchen und Frauen, deren Gesellschaft Operationen an Genitalien verlangt, haben selten die Wahl, ob sie diese Eingriff wollen oder nicht. Unbestreitbar damit im Zusammenhang steht die Emanzipation der Geschlechter, welche angestrebt werden muss, um Mädchen und Frauen vor FGM und intergeschlechtliche Menschen vor Zwangsoperationen zu schützen. Dazu gehört unbedingt die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Normen bzw. Zwängen, welche die Menschen zu dem Fortsetzen dieser Traditionen zwingen. Information und Bildung sind unsere stärksten Waffen im Kampf gegen diese frauenverachtende Praxis. (3)

(1) WHO (2014): http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs241/en/
(2) African Women’s Organisation (2010): http://eige.europa.eu/sites/default/files/documents/Current%20situation%20and%20trends%20of%20female%20genital%20mutilation%20in%20Austria.pdf
(3) Waris Dirie (2007): http://www.gew-bildungsmacher.de/fileadmin/freie_files/
Das_bewegt_Material/Gesellschaft/Auszug-U-Mappe-FGM.pdf